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10 Jahre WechselladerkonzeptEine Stützpunktfeuerwehr hat heute sehr vielfältige Einsatzarten zu bewältigen. Dazu werden neben gut ausgebildeten und motivierten Einsatzkräften sehr umfangreiche Einsatzmittel, Gerätschaften und Fahrzeuge benötigt. Die grossen Mengen an Verbrauchsmaterial und Nachschubmaterial in allen Bereichen führten bei der Feuerwehr Brugg 1990 zu Überlegungen, wie die benötigten Transportkapazitäten geschaffen werden können. Der Fahrzeugpark war - bedingt durch die vielen Einsatzarten - schon so gross, dass nur mit einem optimalen Konzept das Problem zu lösen war. Ein Kleinlastwagen mit Ladebordwand zum Transport des in Paletten verladenen Materials wurde als nicht zufriedenstellende Lösung durch die Idee des Wechselladersystems fallen gelassen. Die Transportbedürfnisse waren vor allem bei dem immer zunehmenden Material der Oel/Chemiewehr aber auch durch Nachschubmaterial wie z.B. Schaumextrakt in grossen Mengen oder zum Rücktransport von kontaminiertem und verschmutztem Einsatzmaterial nach Einsätzen ausgewiesen. Ein wirtschaftlich und finanziell verträgliches Konzept wurde gesucht und mit dem Wechselladersystem gefunden. Aus diesen Gründen beschaffte die Feuerwehr Brugg 1992 das erste Wechselladerfahrzeug. Das Hakengerät musste der DIN entsprechen, um so auf Fahrzeuge des zivilen Transportgewerbes in Brugg zurück greifen zu können. Es kamen ein mech. Oelabscheider, ein Gasflaschenbergebehälter, aber auch ein Oelbindercontainer und die grosse Löschwasserpumpe dazu. Vorerst zum Abschluss beschaffte die Feuerwehr Brugg ein weiteres Wechselladerfahrzeug als Ersatz für das alte Pulverlöschfahrzeug. Mit diesem zweiten Trägerfahrzeug konnten die Abrollbehälter Einsatzleitung, Pulver/CO2 und der Container mit Schlauchmaterial 110mm in Dienst gestellt werden. Somit umfasst das Wechselladerkonzept der Feuerwehr Brugg heute zwei Trägerfahrzeuge und die nachfolgenden zehn Abrollbehälter (AB). Die WechselladerfahrzeugeBeide Wechselladerfahrzeuge sind auf 4x4 Fahrgestellen aus dem Hause IVECO aufgebaut.
Der Aufbau des Ladesystems wurde durch die Firma Kran und Hydraulik AG in Tagelswangen ausgeführt. Diese Firma hatte uns schon den grossen Heckkran am Rüstfahrzeug geliefert. Das Wechselladerfahrzeug wird durch einen 380PS starken Cursor Motor, der die Euro 3 Abgasnorm erfüllt, und ebenfalls über einen Allison Automaten angetrieben. An beiden Fahrzeugen sind hinter den Fahrerhäusern Arbeitsscheinwerfer zur Ausleuchtung des Arbeitsbereiches installiert. Beide Fahrzeuge sind mit den Abrollbehältern kompatibel. Der wesentlichste Unterschied weist die Ladekapazität von 4to. zu 8to. auf. Durch den geforderten 4x4 Antrieb werden die Fahrzeuge sehr hoch. Mit aufgesatteltem AB Einsatzleitung wird beim neuen WLF eine Fahrzeughöhe von 3.9m erreicht. Wir haben im ganzen Stützpunktgebiet dadurch keine Einschränkungen, es wirkt sich jedoch negativ auf das Fahrverhalten aus. AB Einsatzleitung Der Einsatzleitcontainer ist auf der Basis eines Baustellenbürocontainers der Fa. Condecta AG aufgebaut. Der Innenraum ist in zwei Räume aufgeteilt, ein Führungsraum mit fünf Arbeitsplätzen und ein Kommunikationsraum mit zwei Arbeitsplätzen. Im Alle Einspeisungen für die Übermittlung sowie die Stromeinspeisungen sind in einen speziellen Aussenkasten geführt. Die vier Funkantennen werden im Einsatz an allen Containerecken in vorgesehene Halterungen gesteckt.
Ein superleiser Generator bringt die nötige Energie zum Betrieb der Einrichtungen und Beleuchtungen. Die Innenräume wie das Vorfeld sind zweckmässig ausgeleuchtet. Für einen Wintereinsatz sind in beiden Räumen entsprechende Heizgeräte montiert. Die Zusatzausstattung umfasst alles Verbrauchs- und Schreibmaterial inkl. zwei Flipcharts. Eine grosse Auswahl an Führungsplakaten aber auch notwendiges Kartenmaterial werden mitgeführt. Getränke und eine Kaffeemaschine runden die Ausrüstung ab. AB Pulver / CO2
Mit einem mitgeführten, superleisen Generator mit einer Leistung von 1 kVA bei 230V und der eingebauten Beleuchtung ist der Container auch nachts unabhängig einsetzbar. AB Schaum Zum Transport der Fässer und Kanister am Einsatzort ist zusätzlich ein treppentauglicher Sackkarren verladen. Der Container Schaum hat sich bei mehreren Grossbränden bestens bewährt. Er stand auch schon ausserhalb unseres Stützpunktgebietes beim Brand der Soprema AG in Spreitenbach im Einsatz. AB Löschwasserpumpe
Mit einem Lichtmast mit drei Scheinwerfern kann die Einsatzstelle nachts ausgeleuchtet werden. Zur Wasserförderung in grossen Mengen auf das Aaretalviadukt der A3 im Bereich Brugg-Schinznach gibt es ebenfalls zwei Wasserbezugsstandorte an der Aare, die in den Einsatzplänen vermerkt sind. Zudem stellt die Pumpe mit den 110mm Schläuchen die Löschwasserversorgung in die Altstadt von Brugg sicher. AB Schlauch 110 Im Container sind zur Zeit 1000m Schlauchmaterial 110mm zusammengekuppelt verladen und können während der Fahrt verlegt werden. Eine Kapazitätserweiterung um weitere 1000m ist jederzeit möglich. Zusätzlich werden Schieber, Teilstücke, Übergänge, Schlüssel und Schlauchbrücken für 110mm Schlauchmaterial mitgeführt. Ein ebenfalls verladenes Faltbecken mit 10'000l Fassungsvermögen kann als Ausgleichsbecken oder Auffangbehälter für kontaminiertes Löschwasser eingesetzt werden. AB Oel/Chemie In einem Bürorollcontainer werden verschiedene Gefahrgut und Stoffunterlagen wie z.B. der Hommel mitgeführt. Zudem ist ein Generator 3kVA auf einem Auszug eingebaut und fest verkabelt für die Innenbeleuchtung vorhanden, ein Heckscheinwerfer und ein an der Front des Containers angebauter pneumatisch ausfahrbarer Lichtmast mit 2x 1000Watt Leistung. AB Bindemittel Die nötigen Ausrüstungen für mehrere Bachsperren inkl. dem dazugehörigen Schanzwerkzeug finden darin ebenfalls Platz. AB Oelabscheider Die Einsätze sind meistens lang andauernd und zeitaufwändig. Der längste Einsatz, der über Monate dauerte, war in Schinznach Bad. Aber auch bei anderen Ereignissen wurde die Einrichtung erfolgreich eingesetzt. Bei grossen Überschwemmungen im Tessin stand er zudem mit unserer Mannschaft vor einigen Jahren gegen zwei Wochen in Locarno im Einsatz. Der Abscheider funktioniert auf dem mechanischen Skimmerprinzip. Das getrennte Wasser kann der Kanalisation und das entfernte Oel der Entsorgung zugeführt werden. Mit den nötigen Steuereinrichtungen und Pumpen funktioniert er mit einer externen Stromversorgung autonom. AB Gasflaschenbergebehälter
AB Transport FazitDieses wirtschaftliche Transportsystem ist bei der Brugger Feuerwehr nicht mehr weg zu denken. Was bei Berufsfeuerwehren vor allem in Deutschland schon länger erfolgreich eingesetzt wird, hat sich auch bei uns bestens bewährt. In das Konzept wurden immer viele Überlegungen eingebracht und diskutiert. Es ist aber immer bewusst darauf verzichtet worden, absolutes Ersteinsatzmaterial in dieses Konzept einzubinden. So ist klar, dass ein Tanklöschfahrzeug oder Rüstfahrzeug nicht auf Abrollbehälterbasis aufgebaut werden kann. Wir verfolgen aber auch dauernd gleiche oder ähnliche Projekte im In- und Ausland. So können Vor- und Nachteile jedes einzelnen Containers noch besser abgewogen werden. Weitere Möglichkeiten zur Ergänzung des Systems bestehen viele. So werden bei allen Fahrzeugbeschaffungen Überlegungen über das Wechselladerkonzept angestellt.
Stützpunktfeuerwehr Brugg, Dez. 2002
Marcel Biland, Kommandant Stephan Schönenberger, Maschinistenchef
Stand: 01.01.2011 - 13:12 - © Feuerwehr Brugg
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